Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung
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KKV-Bundesverband

KKV: „Menschenwürde in der Arbeitswelt ist gefordert - Sozial ist nur, was gute Arbeit schafft.“

„Was ist uns gute Arbeit wert? Was ist uns Gerechtigkeit wert? Kann es richtig sein, wenn das Kilo Klopapier bei uns teurer ist als das Kilo Fleisch?“ Mit diesen aufrüttelnden Fragen konfrontierte Msgr. Peter Kossen, ständiger Vertreter des Bischöflichen Offizials im Bezirk Oldenburg, beim Neujahrsempfang des KKV-Bundesverbandes in der Katholischen Akademie „Die Wolfsburg“ in Mülheim/Ruhr, die anwesenden Mitglieder und Gäste.  Er prangerte  den vielfachen Missbrauch von Werkverträgen u.a. in der Fleischindustrie an, der „sich wie ein Krebsgeschwür quer durch unsere Volkswirtschaft frisst“.
Der Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung hatte den engagierten Geistlichen aus Vechta als Referenten zum neuen KKV Jahresthema: „Menschenwürde in der Arbeitswelt“ eingeladen.

Prälat Peter Kossen kritisierte in seinem Vortrag vor allem das Arbeitsmarkt-Instrument der Werkverträge. Es werde massenhaft missbraucht, um elementarste Standards von Entlohnung und Absicherung systematisch zu unterlaufen. Hier müsse man an vielen Stellen von „Ausbeutung und moderner Sklaverei“  sprechen.  Ergebnis wäre ein geduldeter rechtsfreier Raum und eine zunehmende Verdrängung der Stammbelegschaften. So seien beispielsweise in der Fleischindustrie 62 Prozent der Arbeitsplätze mit Werkvertragsarbeitern besetzt.

Kirchen müssen beim Missbrauch von Werkverträgen eingreifen
Als Beispiel führte er einen Fall von ausländischen Werkvertragsarbeitern bei einer Firma bei Cloppenburg an, die sich hungernd und frierend an die Caritas gewandt hätten. „Die Männer lebten auf dem Betriebsgelände der Firma zum Teil auf dem nicht isolierten Dachboden eines alten Hauses. Für alle zusammen gab es nur eine Dusche und eine Küche. Sie arbeiteten bis zu 16 Stunden am Tag bei eisigen Betriebstemperaturen und verdienten weniger als drei Euro in der Stunde. Als sie um Hilfe baten, hatten sie schon drei Monate kein Geld mehr bekommen“, so Kossen. In den vergangenen Monaten sei ihm deshalb klar geworden: Beim Missbrauch von Werkverträgen müssen die Kirchen eingreifen und bremsen!

„Sozial ist nur, was gute Arbeit schafft.“
Die Begründung sei immer gleich. „Der Kostendruck auf dem globalen Markt, die internationale Konkurrenz…“ sagen die Verantwortlichen und zucken mit den Schultern. „Wachstum“ heiße die Zauberformel, „Fressen“ statt „Gefressen werden“. Wer da nicht mitspiele, fliege raus. Deshalb stimme auch die Aussage „Sozial ist, was Arbeit schafft“ nicht mehr. Vielmehr müsse es heißen: „Sozial ist nur, was gute Arbeit schafft.“ Das „globale Dorf“, die Weltwirtschaft, brauche deshalb Impulse für eine „neue, menschengerechte und schöpfungsgerechte Weise des Wirtschaftens.  Kossen wies darauf hin, dass die Sozialgesetzgebung nicht die Schwachstelle, sondern eine Stärke der Sozialen Marktwirtschaft und ein Standortvorteil sei, weil sie den Menschen nicht als Maschine betrachten, die man benutzen und dann verschrotten könne. „Gerade die Länder mit den besten Sozialsystemen gehören zu den erfolgreichsten und wettbewerbsfähigen Volkswirtschaften der Welt“, unterstrich er.

„Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts.“
Und weil Gott auf der Seite der Kleinen und Schwachen stehe, müsse auch die Kirche genau dort stehen. Denn „eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts“. Dieses Wort des französischen Bischofs Jacque Gaillot gelte auch heute noch. 

„Dahinter steht die Werte-Frage“, so der Vertreter des Offizials weiter, „Was ist uns gute Arbeit wert? Was ist uns Gerechtigkeit wert? Kann es richtig sein, wenn das Kilo Klopapier bei uns teurer ist als das Kilo Fleisch?“ Das wertvolle und aufwändig produzierte Gut Fleisch werde bei uns unter Wert verschleudert. Um das zu verhindern, brauche es ein Gütesiegel „Faire Arbeit“. Natürlich gebe es auch in der Fleischindustrie Unternehmen, die sich um gute Arbeits- und Lebensbedingungen bemühten. Ob sie allerdings dem Konkurrenzdruck und dem Preisdiktat der großen Discounter standhalten könnten, entscheide der Verbraucher und damit wir alle.

Msgr. Prof. Dr. Peter Schallenberg, der Geistliche Beirat des KKV-Bundesverbandes, machte zur Begrüßung auf die Diskussion um den durch nichts zu entschuldigenden Mordanschlag auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ durch radikale Islamisten aufmerksam. Dabei betonte er: „Wir sind nicht Charlie, aber wir sind gegen jegliche Gewalt im Namen der Religion. Gleichzeitig erwarten wir aber auch mehr Sensibilität und Toleranz. Und das bedeutet auch immer den Respekt gegenüber Glaubensüberzeugungen.“

In seinem Schlusswort dankte der KKV-Bundesvorsitzende Bernd-M. Wehner dem Referenten für seine ungeschminkten Ausführungen. „Gerade als katholischer Sozialverband sehen wir es als eine unserer wesentlichen Aufgaben an, uns solidarisch und mitgestaltend in Berufs- und Arbeitswelt dafür einzusetzen, dass christlichen Wertvorstellungen im Sinne der Katholischen Soziallehre mehr Geltung verschafft werde.“ Das bedeute konkret: „Der  Mensch muss Träger, Schöpfer und Ziel aller gesellschaftlichen Einrichtungen sein“, wie es in Mater et Magistra heiße. Oder anders formuliert: „Die Wirtschaft ist für den Menschen da und nicht der Mensch für die Wirtschaft. Das gilt insbesondere auch für den Arbeitsmarkt.“