Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung
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KKV-Bundesverband

KKV Neujahrsempfang Friedensnobelpreisplakette der EVP-Fraktion an KKV überreicht

„Es brennt nicht ein alleinstehendes Haus, bei dem man zusehen kann, bis es ausgebrannt ist, sondern es brennt eine Wohnung im gemeinsamen Haus Europas.“ Mit diesem Bild skizzierte der Europaabgeordnete Dr. Peter Liese anlässlich des Neujahrsempfangs des Bundesverbandes der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV) zutreffend die derzeitige Situation der Europäischen Union (EU) hinsichtlich der Lage in Griechenland. Der KKV als einer der vier gro-ßen katholischen Sozialverbände Deutschlands hatte zu seinem diesjährigen Empfang unter dem Motto „Europa  - Zukunft nicht bloß Krise“ ins Kölner Maternushaus eingeladen.

von links: David Roth, Dr. Martin Schoser, Dr. Peter Liese, Bernd-M. Wehner, Joachim Hüpkes

Obwohl er bereits in 2000 gegen die Aufnahme Griechenlands in die EU votiert habe, plädiere er jetzt für ein besonnenes Handeln, so Dr. Liese. Denn eine Pleite oder ein Rauswurf Grie-chenlands aus der EU löse das Problem nicht, sondern könne eher noch die Lage verschärfen. So dürfe man nicht den Domino-Effekt bei einem Austritt Griechenlands auf andere Länder wie Portugal, Spanien oder Italien unterschätzen. Es sei nämlich nicht auszuschließen, dass dann die Kapitalmärkte eben auch diesen Staaten das Vertrauen entzögen und es dort ebenfalls zu Staatsbankrotten kommen könne. Dies würde allein in Deutschland zu Wachstumseinbußen von 1,7 Bio. Euro von 2013 bis 2020 führen.

„Europas Krise ist eng mit der Wirtschafts- und Verschuldungskrise einzelner Mitgliedstaaten verbunden, hat aber auch weit darüber hinausgehende Ursachen wie Werteverlust und die Ab-nahme religiöser Bindungen.“ Mit dieser Aussage habe der amtierende EU-Ratspräsident Her-man van Rompuy anlässlich einer EVP-Krisentagung in Florenz letzten Jahres den Nagel auf den Kopf getroffen, so der KKV-Bundesvorsitzende Bernd-M. Wehner bei seiner Begrüßung. Deshalb habe der KKV drei Forderungen aufgestellt, um die Krise zu überwinden. So brauche man erstens einen Rahmen, der die Schuldenspirale in Europa durchbreche, zweitens benötige man eine verantwortungsbewusste Wirtschaftspolitik, die das Mittun von Banken und Wirtschaft fordere, Arbeit schaffe und Wachstum in allen Regionen Europas fördere und drittens sei ein neues Bewusstsein für das Europa der Werte nötig. Kurzum: Europa brauche nicht nur einen finanziellen sondern vor allem einen moralischen Rettungsschirm, unterstrich Wehner.

Für den Europaabgeordneten, der auch Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken ist, ist deshalb die christliche Soziallehre auch in der Eurokrise der richtige Maßstab. Subsidiarität und Solidarität, eigene Leistungen, Reformen in den Mitgliedsstaaten und gezielte Hilfe als Gebot der Nächstenliebe seien die richtigen Maßnahmen. Letztlich sei es auch in unserem eigenen Interesse – allein schon im Hinblick auf unsere Exportquoten innerhalb der EU – , wenn wir hier Hilfe leisten würden.

Weitere Themenfelder waren für Dr. Liese das Ringen um die christlichen Werte in der Alltags-arbeit des Europäischen Parlaments. Hierzu gehöre für ihn u.a. der Sonntagsschutz. Deshalb begrüße er auch das Engagement des KKV in dieser Frage. Darüber hinaus kämpfe man für Religionsfreiheit auf der Welt, plädiere für die Bereitschaft zur Organspende, für eine nachhaltige Energiepolitik und vor allem für mehr Energieeffizienz.

Im Übrigen dürfe man nicht vergessen, dass die europäische Einigung letztlich ein großes Frie-densprojekt sei. „Von daher ist die Verleihung des Friedensnobelpreises an die EU eine Aus-zeichnung für uns alle“, so der Europaabgeordnete. Um dies auch symbolisch zu unterstreichen, überreichte er dem Bundesvorsitzenden des KKV symbolisch eine Medaille zum Frie-densnobelpreis, die die Europäische Volkspartei aufgelegt hat und die an Bürgerinnen und Bürger die sich besonders für Europa engagieren, verliehen wird.

In der anschließenden Diskussion wurden noch die einzelnen Themen vertieft. Dabei war man sich im Klaren, dass der europäische Einigungsprozess weiter vorangetrieben werden müsse. Gleichzeitig wies der KKV-Bundesvorsitzende nochmals auf einige Schwerpunkte der KKV-Aktivitäten für 2013 hin. So werde man auch in diesem Jahr wieder den Ehrenpreis „Ehrbarer Kaufmann“ verleihen, um so ein Zeichen zu setzen, dass Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Nachhal-tigkeit und Verantwortung wichtige Kriterien für ein auf Dauer erfolgreiches wirtschaftliches Handeln seien. Darüber hinaus wies er auf die Initiative des Verbandes hin, die Katholische So-ziallehre in die heutige Sprache zu übersetzen. Hier sei man gemeinsam mit dem St. Ulrich Ver-lag in Augsburg mit der Herausgabe des DOCAT bereits auf einem guten Weg. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit sei die richtige Balance zwischen Arbeit und Freizeit zu finden. Mit der via facebook gestarteten Plakataktion „Jeder hat das Recht auf Unerreichbarkeit“ habe man be-reits eine große Zustimmung erreicht.