Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung
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KKV-Bundesverband

Jahresgutachten des Aktionsrates Bildung: KKV fordert: Zurück zur ganzheitlichen Lehre

Investitionen in den laufenden Bildungsbetrieb / Demografisches Problem ernst nehmen

"Bildung ist und bleibt Deutschlands wichtigster Rohstoff - da darf es nicht bei Schönwetterreden bleiben, wenn am Horizont schon die Gewitterwolken stehen", so Bernd-M. Wehner, Bundesvorsitzender des KKV - Verbandes der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung. Als einer der vier großen katholischen Sozialverbände Deutschlands begrüßt dieser den heute in München vorgestellten Jahresbericht des Aktionsrates Bildung. Das Stichwort der "Reakademisierung" verstehe der Verband als Impuls für eine Rückkehr zur ganzheitlichen Bildung: "Dafür war das deutsche Bildungssystem über Jahrhunderte berühmt. Unsere Universitäten sind keine Berufsbildungsstätten - und noch ist es nicht zu spät, zum alten Format zurück zu finden."

Dabei, so Wehner, stelle niemand den 1999 begonnenen Bologna-Prozess in Frage: "Gerade der Ansatz der Internationalisierung ist entscheidend, wenn deutsche und europäische Universitäten in der globalen Bildungsliga oben mitspielen wollen. Und es ist von geradezu bildhafter Brillanz, wenn Denken auf diese Weise Grenzen sprengt." Der KKV unterstütze hier voll die Position des Aktionsrates Bildung, der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft und der deutschen Wirtschaft insgesamt. Dennoch, so Wehner, brauche das auf Master und Bachelor bauende Bildungsmodell eine "Reform der Reform". Man habe, so Wehner, "die Hochschulen zu sehr dem Diktat des schnellen Abschlusses unterstellt - und dafür den Anspruch der ganzheitlichen Bildung geopfert." Dies aber sei, gerade in der heutigen Zeit, von entscheidender Bedeutung: "Wer als junger Akademiker künftig an verantwortlicher Stelle in Wirtschaft, Verwaltung oder Politik stehen soll, braucht nicht nur das handwerkliche Werkzeug - er braucht ein Wertegerüst, das seine Arbeit nachhaltig trägt und bestimmt. Wer ganzheitliche Bildung fördert, schafft die Grundlage einer gelebten Sozialen Marktwirtschaft."

Deshalb müssten auch zwei zentrale Probleme angegangen werden, so Wehner, die der Jahresbericht sehr deutlich nenne: So sei die angemahnte "Unterfinanzierung des Bildungssystems" nicht hinnehmbar. "Dabei muss klar sein: Investitionen dürfen sich nicht immer nur in Neubauten und festlichen Einweihungen zeigen - wir müssen in den laufenden Bildungsbetrieb investieren - und damit in die Menschen.“ Zweites drängendes Problem sei der demografische Faktor: "Deutschlands Wohlstand hängt mit an Zahl und Status der Akademiker im Land. Ärzte, Ingenieure, Lehrer - überall fehlt es an Nachwuchs." So würden allein im Technikbereich rund 117.000 studierte Fachkräfte wie Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler und Techniker (MINT) fehlen, wie eine Studie des IW-Instituts belege.
"Es liegt an uns, die Umkehr zu schaffen: Vom neudeutschen "braindrain" hin zum Wissensstrom in den Bildungsleuchtturm Deutschland", so der KKV-Bundesvorsitzende.