Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung
www.kkv-bund.de
KKV-Bundesverband

Wer die Wahl hat, hat die Qual?

Aufruf des Bundesverbandsvorstandes zur Bundestagswahl am 22. September 2002


Sehr geehrte Damen und Herren!

Liebe KKVerinnen und KKVer!

Egon ZepkeAuf der Grundlage der katholischen Soziallehre und in Anlehnung an die Erklärung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken aus Anlass der bevorstehenden Wahlen zum 15. Deutschen Bundestag ruft der KKV seine Mitglieder auf, kritisch zu prüfen, welche Parteien und Personen, auch diejenigen, die in einem Wahlkreis oder auf einer Landesliste kandidieren, mit ihren politischen Inhalten und Zielen unsere unverzichtbaren christlichen Wertvorstellungen glaubhaft und nachhaltig vertreten.

Es wurde viel geredet, geschrieben und im Fernsehen gesendet in diesen Wochen vor der Wahl. Die Werbeeffekte und die Auswertungen der Wahlexperten und Meinungsforscher im Hinblick auf Sympathiewerte oder äußerliche Erscheinungsbilder sollten sich nicht entscheidend auf unser Wahlverhalten auswirken. Es gibt in der nächsten Legislaturperiode vielerlei Probleme und Fragen zu bewältigen. Die Aussagen und Vorschläge der einzelnen Parteien und Kandidaten zu deren Lösung sowie auch die Parteiprogramme beinhalten zugleich die Kriterien für unsere Wahlentscheidung.

Die Gesichtspunkte, die für uns besonders wichtig sind, sollen an dieser Stelle als Wahlprüfsteine dargelegt werden.

Menschenrecht und Menschenwürde

Das Grundgesetz gebietet, die Würde jedes Menschen zu achten und zu schützen, auch und ganz besonders das Lebensrecht jedes Menschen ab Beginn seiner Existenz. Die Fortschritte der biomedizinischen Entwicklungen und noch so hochrangige Forschungsziele wie die Entwicklung von Heilungsmethoden, die zu fördern sind, berechtigen aber nicht in die Rechte Dritter oder gar in das Lebensrecht Dritter einzugreifen. Ungeborenes menschliches Leben darf nicht getötet werden. Der Schutz des menschlichen Lebens in allen Phasen der menschlichen Existenz muss Ziel und Aufgabe der Politik sein und bleiben. Das betrifft genauso den Schutz alter, behinderter und sterbender Menschen.

Im fortschreitenden Prozess der weltweiten Vernetzung und Globalisierung sind die Fragen nach einer weltweiten Gerechtigkeit und die große Not der Menschen in Asien, Afrika und Lateinamerika aus dem Blickfeld geraten. Hier sollten die Programme der Parteien daran gemessen werden, ob sie der Verwirklichung von Menschenrechten unter menschenwürdigen Bedingungen auch in den Ländern der "Dritten Welt" dienen.

Die massiven Angriffe und Verhöhnungen von religiösen Symbolen und Glaubensinhalten in Wort, Schrift und Bild, die ungestraft ständig zunehmen und jedes Maß an Toleranz und Achtung vor den Überzeugungen anderer Menschen vermissen lassen, verletzen die Menschenwürde und treffen uns Christen besonders schwer.

Ehe und Familie

Mit großer Sorge verfolgen wir die Bestrebungen, den besonderen Schutz unter den das Grundgesetz Ehe und Familie stellt, durch bestimmte Maßnahmen (z. B. die Einführung der „Lebenspartnerschaft“) zu durchlöchern. Familienpolitik ist Zukunftspolitik. Ohne Familie ist kein Staat zu machen. Dazu gehören die Sicherung der besonderen Rechtsstellung von Ehe und Familie, die Verbesserung der finanziellen Lage der Familie, die Unterstützung der Eltern bei der Erziehung, Maßnahmen zur Balance zwischen Erwerbsarbeit und Familie, Verbesserung der Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Kinderversorgung, deren Betreuung und Erziehung. Hierbei muss zuerst an die Frauen gedacht werden, die meistens die Hauptbelastung tragen.

Bildung und Erziehung

Ein leistungsfähiges Bildungssystem ist der Schlüssel für individuelle Lebenschancen und der Antrieb für gesellschaftliche Entwicklungen. Die Aus- und Weiterbildung, Wissenschaft und Fortschritt dürfen keine Frage ideologischer Prinzipien oder sozialer Ungleichheit sein. Die Förderung von Chancengleichheit und einheitliche Ausrichtung nach dem Leistungsprinzip bei Lernenden und Lehrenden, sollten im Bildungswesen mit Nachdruck angestrebt werden. Das inhaltlich und methodisch auf Qualität ausgerichtete Lernen muss den Vorzug haben vor Angebotsvielfalt, Spezialisierung und zuviel Stoff.
Bildung gelingt nicht ohne Erziehung, und Erziehung ohne Werte gelingt auch nicht. Die Erziehung ist vordringliche Aufgabe der Eltern, die Schule aber muss für junge Menschen, neben fachlicher Ausbildung und Motivation für das lebensbegleitende Lernen, auch Orientierung bei der Suche nach Antworten auf ethische und religiöse Fragen geben können.

Alle KKVer sind nun aufgerufen, sich an den so richtungsweisenden Wahlen zu beteiligen, denn wer etwas verändern will, muss wählen gehen. Wenn Sie am Wahltag verhindert sind, empfiehlt es sich, per Briefwahl von Ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen.

Egon Zepke

Egon Zepke
Bundesverbandsvorsitzender



Nehmen Sie Stellung zu o.g. Artikeln oder verfassen Sie einen Leserbrief:
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.