Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung
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KKV-Bundesverband

Kleine Firmen in der Krise

Hilfe für Unternehmerinnen und Unternehmer im Bistum Essen

GrafikAndreas MangelTäglich scheiden Unternehmen aus dem Markt aus. Doch während das Scheitern eines großen Unternehmens politische und öffentliche Aufmerksamkeit erregt, vollzieht es sich bei kleinen Unternehmen meist lautlos. Ein normaler marktwirtschaftlicher Prozess also. Warum sollte das ein Thema für Kirche sein?

„Die Kirchen leben und wirken mitten in der Gesellschaft und nehmen deswegen an ihren Umbrüchen und Entwicklungen teil. Sie werden dabei von ihrer Berufung zur Solidarität mit den Armen geleitet und folgen der Bewegung Gottes, die sich vorrangig den Armen, Schwachen und Benachteiligten zugewandt hat, damit alle 'Leben in Fülle' haben.“ So begründen und beschreiben die beiden Kirchen in ihrem gemeinsamen Wort von 1997 ihren gesellschaftlichen Auftrag.

Aber kann ein Unternehmer denn zu den „Armen, Schwachen und Benachteiligten“ gehören, zu jenen, denen die vorrangige Solidarität der Kirche gilt? Der Gedanke ist sicherlich fremd, hat der Unternehmer in unserer Gesellschaft doch das Image des Reichen und Erfolgreichen. Macht sein Unternehmen dennoch Pleite, ist er selbst schuld, wird er oftmals als Versager abgestempelt. Im konkreten Fall werden Unternehmenskrisen und -liquidationen tabuisiert. Also doch kein so normaler marktwirtschaftlicher Prozess?

Zur marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung gehört die Möglichkeit des Scheiterns eines Unternehmens, einer unternehmerischen Idee. Das ist die Konsequenz des Wettbewerbes, der für die effiziente Versorgung der Menschen mit Gütern führt. Es kann also nicht darum gehen, diesen Prozess zu verhindern. Aber er sollte um der betroffenen Menschen willen enttabuisiert und gestaltet werden.

Gerade für Inhaberinnen und Inhaber von kleinen Unternehmen ist die Not, die durch eine Unternehmenskrise entsteht, groß. Die materielle Not – sie leben dann oft von einem monatlich verfügbaren Einkommen, das unter dem Sozialhilfeniveau liegt –, aber auch die psychische Not: Schuld- und Schamgefühle – der Eindruck, in den Augen der Gesellschaft ein Versager zu sein – führen häufig zu einem Verdrängungsmechanismus und damit in einen Teufelskreislauf, in dem sich die materiellen, psychischen und physischen Ressourcen zunehmend erschöpfen, während sich die Lage des Unternehmens weiter verschlechtert.

Die Krise erschüttert meist die ganze Lebenswelt der Betroffenen: Die materielle Versorgung der Familie ist bedroht. Die Unternehmenskrise, die oft als Lebenskrise erlebt wird, belastet die Ehe sowie die sozialen Beziehungen. Den Betroffenen fehlt es an Ansprechpartnern, denen sie sich anvertrauen können, sowie an institutionalisierter Hilfestellung. Denn obwohl es im Zeitalter der Gründungsoffensiven und der jüngst propagierten Ich-AG zahlreiche Hilfestellungen zur Unternehmensgründung gibt, fehlt dieses Engagement noch immer fast völlig für den Fall des Scheiterns von Unternehmen.

Die Not der Betroffenen ist Grund genug für ein kirchlich getragenes Hilfsangebot im Bistum Essen, das noch Ende dieses Jahres an den Start gehen wird.

Christina Drepper



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