Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung
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KKV-Bundesverband

Neue Medien

Prälat Prof. Dr. Friedrich Janssen,

Geistlicher Beirat des Bundesverbandes


Unter den erstaunlichen Erfindungen der Technik, welche die menschliche Gesellschaft gerade in unserer Zeit mit Gottes Hilfe aus der Schöpfung entwickelt hat, richtet sich die besondere Aufmerksamkeit der Kirche auf jene, die sich unmittelbar an den Menschen selbst wenden und neue Wege erschlossen haben, um Nachrichten jeder Art, Gedanken und Weisungen leicht mitzuteilen.

Unter ihnen treten vor allem jene „Mittel“ hervor, die in ihrer Eigenart nicht nur den einzelnen Menschen, sondern die Masse und die ganze menschliche Gesellschaft erreichen und beeinflussen können: die Presse, der Film, der Rundfunk, das Fernsehen und andere gleicher Art. Man nennt sie darum mit Recht „soziale Kommunikationsmittel“ (Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret „Inter Mirifica“, 1). Inzwischen sind die Medien um neuere Technologien wie Computer, Internet, Fax u. a. erweitert worden.

Das Konzilsdokument hat durch die päpstliche Pastoralinstruktion „Aetatis novae“ aus dem Jahre 1985 eine bedeutende Ergänzung erfahren. Darin wird die hohe Relevanz der Massenmedien so akzentuiert: „Die Mittel der sozialen Kommunikation spielen eine derartig wichtige Rolle, dass sie für viele zum Hauptinstrument der Information und Bildung, der Führung und Beratung für individuelles, familiäres und soziales Verhalten geworden sind“ (ebd. 1). Die Neuen Medien haben eine Revolution der menschlichen Kommunikation in Gang gesetzt und den Übergang von der Industrie- zur Informations- und Wissensgesellschaft eingeleitet.

Die neuen Kommunikationsmedien haben eine ambivalente Wirkung, sie sind ebenso eine Quelle des Guten wie des Bösen. Von den neuen Technologien, insbesondere vom Internet, können positive Impulse ausgehen für die moralische und soziale Entwicklung der Menschen, sie können ein Mittel zur Lösung menschlicher Probleme und zur Schaffung einer von Gerechtigkeit, Frieden und Liebe geleiteten Welt sein.

Die Struktur des Internet birgt aber auch potenzielle Gefahren in sich, z. B. die Verbreitung verzerrter, ja fragwürdiger Lebensauffassungen und Moralvorstellungen, Zersetzung des christlichen Menschenbildes, Gewaltverherrlichung, Pornographie, Betrug etc.

Entscheidend ist, ob die Medien auf dem Fundament ethisch einwandfreier Prinzipien zur Anwendung kommen. Nicht minder kommt es darauf an, dass die Medien- und Kommunikationstechniken „dem Menschen dienen“ und damit dem Leitmotiv des KKV gerecht werden. In seiner Lohner Erklärung vom Diözesantag 2002 ruft der KKV-Diözesanverband Münster zu Recht „seine Mitglieder sowie alle, die in Kirche und Gesellschaft Verantwortung tragen, auf, zur menschenwürdigen Gestaltung der Neuen Medien und des Internets beizutragen“.

Nicht die Technik darf den Menschen beherrschen, sondern umgekehrt: Der Mensch muss die Technik kontrollieren und sie verantwortungsbewusst in seinen Dienst nehmen. Der Mensch steht im Mittelpunkt. Auch muss bei aller grandiosen Technik eines klar sein: Keine noch so perfekte Technik kann die menschliche, personale Kommunikation ersetzen. Gott bewahre uns vor einer seelenlosen, anonymen, mechanistischen, technokratischen Gesellschaft! Die Medien sind eine großartige Sache, aber sie haben eine dienende Funktion; sie vermögen und sollen Verbindungen herstellen, die jedoch ihrerseits in personale Begegnungen und Wertübertragungen einmünden müssen.

Last not least: Die Medien sind ein unverzichtbares Instrumentarium der kirchlichen Verkündigung. Kirchliche Medienarbeit muss aber aus ihrem Mauerblümchendasein herauskommen. Sendungen wie „Das Wort zum Sonntag“, „Tagebuch“, „Urbi et Orbi“ zu Weihnachten und Ostern sowie Gottesdienstübertragungen allein genügen nicht mehr, um christliches Gedankengut ins Bewusstsein der Menschen zu transportieren; vielmehr ist ein umfassendes Kommunikationsprogramm das Gebot der Stunde.

Dies impliziert auch die vom KKV wiederholt erhobene Forderung nach einem kirchlichen Fernsehsender. Es bringt nichts, Klagelieder über negative und destruktive Kommentierung christlicher und kirchlicher Auffassungen in den Medien (so in diversen Talkshows) anzustimmen; geboten ist eine offensive Darstellung sowie zeitgemäße Interpretation des christlichen Glaubens in kircheneigenen Medien. Was in unserer säkularisierten und multikulturellen Gesellschaft Not tut, ist eine authentische Fernsehkatechese für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, zumal viele Menschen nicht mehr kirchlich praktizieren und daher von der kirchlichen Verkündigung nicht erreicht werden.

Das Postulat eines eigenen kirchlichen Fernsehprogramms darf nicht am Geld scheitern. Hätte es zu seiner Zeit bereits die sozialen Kommunikationsmittel gegeben, Jesus würde diese Technologien mit Sicherheit in seinen Dienst gestellt haben. Nutzen wir also die Neuen Medien als große Chance! Die neue Zeit erfordert neue Wege.



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