FamiliePrälat Prof. Dr. Friedrich Janssen,Geistlicher Beirat des BundesverbandesDie Familie, in der verschiedene Generationen zusammenleben und sich gegenseitig helfen, ist das Fundament der Gesellschaft (II. Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“, 52). Anlässlich seines Besuches im Haus der Heiligen Familie in Nazaret sagte Papst Paul VI.: „Hier lernen wir, wie wichtig das häusliche Leben ist. Nazaret gemahne uns an das, was eine Familie ist, an ihre Gemeinschaft in der Liebe, an ihre Würde, ihre strahlende Schönheit, ihre Heiligkeit und Unverletzlichkeit, an ihre durch nichts zu ersetzende Bedeutung. Nazaret zeige uns, wie kostbar die Unterweisung in der Familie ist, eine Unterweisung, die durch nichts ersetzt werden kann. Nazaret lehre uns, welche Aufgabe die Familie ihrer Natur nach in der Ordnung der Gesellschaft hat.“ Die Realität sieht leider anders aus. Das kostbare Gut der Familie steckt in einer fundamentalen Krise. Die Keimzelle der Gesellschaft ist von vielen Gefahren bedroht. Hier ist zunächst das traurige Faktum zu nennen, dass inzwischen jede dritte Ehe in Deutschland zerbricht, was gleichzeitig den Zusammenhalt der Familien aufs Spiel setzt. Betroffen macht auch der fortschreitende Trend eines frühzeitigen Auszugs der Kinder aus dem Elternhaus. Dieser Exodus ist nicht nur auf den Freiheitsdrang der Jugendlichen zurückzuführen; er wirft auch die Frage auf, ob das Familienleben noch intakt ist. Nehmen sich die Eltern noch genügend Zeit für ihre Kinder, für den notwendigen Dialog unter den Generationen, oder ist das Fernsehen das einzige Kommunikationsmedium? Weiterhin ist zu fragen, ob in der Familie auch mal über Gott und religiöse Fragen gesprochen wird. Zur Erziehung der Kinder gehört als elementares Ziel auch die Vermittlung von Werten und Lebensorientierung, was letztlich ohne Bezug auf Gott nicht möglich ist. Oder denaturiert das Zuhause zu einem reinen Kost- und Logisort, wo Erziehung nicht stattfindet? Was sagt Papst Paul VI.: „Die Unterweisung in der Familie ist durch nichts zu ersetzen“ (siehe oben). Bedroht wird die Familie aber auch durch staatliche Gesetzgebung. Die rechtliche Gleichstellung von alternativen Lebensgemeinschaften mit der traditionellen Familie kommt einer faktischen Aushöhlung der Letzteren gleich. Wenn der Familienbegriff dahingehend erweitert wird, dass inzwischen jedwedes Zusammenleben von Menschen als „Familie“ definiert werden darf, dann ist die herkömmliche Familie in ihrer Substanz, ja existenziell bedroht. Eine weitere Gefahr droht der Familie durch die beabsichtigte Einführung von Ganztagsschulen und -kinderhorten. Nach dem vernichtenden Urteil der PISA-Studie über die gravierenden Defizite im deutschen Bildungswesen sucht man nun das Heil in der Ganztagsbetreuung. So etwas hatten wir doch schon mal, die Ex-DDR lässt grüßen. Mag sein, dass viele Eltern, zumal wenn beide Teile berufstätig sind, solche Einrichtungen begrüßen; aber Bildung besteht nicht im Vollpumpen mit Faktenwissen, sondern zunächst und vor allem in der Persönlichkeitserziehung – und hier können sich die Eltern nicht aus der Verantwortung stehlen. Erziehung ist primäres Elternrecht und Elternpflicht, ohne die Eltern geht nichts. Noch einmal sei hier auf das Wort Papst Pauls VI. verwiesen: „Nazaret zeige uns, wie kostbar die Unterweisung in der Familie ist, eine Unterweisung, die durch nichts ersetzt werden kann.“ Hier ist vonseiten des Staates das Subsidiaritätsprinzip zu beachten, demzufolge eine Organisationseinheit (in diesem Falle die Familie) selber tun darf, was sie selber kann. Das Zweite Vatikanische Konzil sagt: „Alle, die einen Einfluss auf Gemeinden und gesellschaftliche Gruppen haben, müssen zur Förderung von Ehe und Familie wirksam beitragen. Die staatliche Gewalt möge es als ihre heilige Aufgabe betrachten, die wahre Eigenart von Ehe und Familie anzuerkennen, zu hüten und zu fördern, die öffentliche Sittlichkeit zu schützen und den häuslichen Wohlstand zu begünstigen. Das Recht der Eltern (...) auf Erziehung in der Familie ist zu sichern“ (Gaudium et spes, 52). Erhalt und Schutz der Familie sind aber nicht nur Sache des Staates, sondern aller gesellschaftlich relevanten Gruppen. Nicht zuletzt die katholischen Verbände stehen in der Verantwortung und Pflicht, das hohe Gut der Familie zu schützen. Der KKV ist hier nicht minder gefordert. Nehmen Sie Stellung zu o.g. Artikeln oder verfassen Sie einen Leserbrief: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. |



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