Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung
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Rentenformel zu Gunsten von Familien ändern

Deutliche Kritik an den jüngsten rentenpolitischen Entscheidungen der Bundesregierung übte Professor Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo-Institutes für Wirtschaftsforschung München, bei einem Fachgespräch im Generalsekretariat des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Um in der gesetzlichen Rente auf die künftigen Herausforderungen reagieren zu können und das System nachhaltig zu stabilisieren, sei eine Änderung der Rentenformel zugunsten von Familien unabdingbar, erklärte Sinn. Anstatt den Beitragssatz anzuheben, müssten Erziehungsleistungen in der Rentenversicherung adäquat bewertet werden, wie es der Nestor der dynamischen Rente, Oswald von Nell-Breuning, schon in den 50er-Jahren vorgeschlagen habe.

Eine familienbezogene Rentenreform sei ökonomisch geboten und durch Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts mehrfach nachdrücklich eingefordert worden. „Wir müssen endlich in der Rentenversicherung den Unterschied positiv berücksichtigen, der zwischen denjenigen besteht, die sich mit der Erziehung von Kindern an der Humankapitalbildung beteiligen, und denjenigen, die ohne Kinder ihre Altersvorsorge im Umlageverfahren allein auf die Kinder anderer Menschen stützen. Wer kein Humankapital bildet, kann und muss für die eigene Altersvorsorge Realkapital bilden. Menschen, die keine Kinder aufziehen, haben ja das Geld, das andere in die Erziehung der Kinder stecken, übrig.“ Konkret forderte Sinn, demographisch bedingte Rentenniveaukürzungen auf jene künftigen Rentner zu konzentrieren, die keine Kinder haben. Dabei gehe es nicht um einen Eingriff in bereits bestehende Anwartschaften, bei neuen Ansprüchen aber sei ein Abschlag von 50 Prozent in der Rentenformel unabdingbar.

Christa Licharz-Lichtenthäler, familienpolitische Sprecherin des ZdK, dankte Professor Sinn für die Entschiedenheit, mit der er sich für die Berücksichtigung der Familien im System der gesetzlichen Rente einsetze. Für das ZdK gehöre es zu den großen Enttäuschungen im Koalitionsvertrag, dass dort zur Umsetzung des „Pflegeversicherungsurteils“ vom April 2001 nur wenige unverbindliche Sätze zu finden sind. Elisabeth Bußmann, Präsidentin des Familienbundes der Katholiken, kündigte an, dass die katholischen Ver-bände ihre Vorstellungen einer familiengerechten und solidarischen Alterssicherung verstärkt in die Diskussion einbringen werden, damit junge Menschen auch morgen auf eine zukunftssichere Rente bauen können. Die Schieflage zulasten der Familien sei weiterhin eine Schieflage zulasten der Frauen – beide Fragen seien gemein-sam in den Blick zu nehmen und nur gemeinsam zu lösen, betonte Licharz-Lichtenthäler.



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