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„Der Sonntag steht nicht zu unserer freien Disposition“

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, eröffnet die Ausstellung „Am siebten Tag. Geschichte des Sonntags“ in Bonn. „Die Feier des Sonntags ist ein Erfordernis der Menschenwürde, ein Protest gegen die Vermarktung des Menschen und gegen die Versklavung durch die Arbeitswelt.“ Deutliche Worte fand der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, anlässlich der Ausstellungseröffnung zur Geschichte des Sonntags im Bonner Haus der Geschichte.

Die Ausstellung biete eine außerordentliche Gelegenheit, über den Sonntag und seine heutige Gefährdung neu nachzudenken. Der Sonntag sei ein Tag der Gemeinschaft, der Kultur und der Pflege gemeinschaftlicher Intimräume und wirke so der Vereinsamung und Anonymität in der heutigen Gesell-schaft entgegen. Als solcher müsse er immer wieder in seiner Unentbehrlichkeit und Unersetzbarkeit für den Menschen verteidigt und geschützt werden.

„Die Sorge um den Sonntag ist darum auch nicht nur Sache des Einzelnen oder der Kirchen, sondern sie muss auch von den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft mitgetragen werden.“ Karl Kardinal Lehmann zeichnete eine Geschichte der Entstehung des Sonntags nach und erinnerte an den Ursprung des christlichen Sonntags als ersten Tag der Woche. „Herrentag“ sei der neue christliche Feiertag in Abgrenzung zum jüdischen Sabbatfest genannt worden. Damit erinnere er an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern und die Auferstehung. Die Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils trage der hohen Bedeutung des christlichen Feiertages Rechnung, indem sie den Sonntag als den „Ur-Feiertag“ und als „Fundament und Kern des ganzen liturgischen Jahres“ bezeichne.

Der Sonntag habe die Aufgabe, den Menschen aus Zwängen zu befreien. Diesen positiven Sinn drohe er jedoch einzubüßen: „Die Sonn- und Festtage sind in der Gefahr, entweder weitgehend verdrängt oder zum bloßen Wochenende, zum Ort für Ausflüge und Sportveranstaltungen u. a. zu werden“, kritisierte Kardinal Lehmann. Die Sinngebung des Sonntags sei Privatsache geworden.

„Manche sind dadurch überfordert und leiden unter ‚Wochenenddepression‘ und ‚Sonntagsneurose‘.“ Lehmann wies auf die enge Verbindung zwischen dem religiösen, dem anthropologischen und dem sozialen Sinn des Sonntags hin. Die gemeinsam verbrachte und geteilte Zeit stütze und erhalte kleinere und größere Gemeinschaften. Zugleich habe der Sonntag die Aufgabe des Schutzes vor einer weitgehenden Ökonomisierung des Menschen. Die Menschen „sollen Gelegenheit erhalten, sich von den Zwängen der Gesellschaft und unserer Welt freizumachen und sich zu erholen. Der Rhythmus von Arbeit und Freiheit von ihr ist für die Existenz des Menschen ähnlich wichtig wie seine soziale Grundanlage. Darum steht der Sonntag nicht zu unserer freien Disposition“.



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